Manchmal, wenn ich durch Berlin wanke, komme ich am Fellas vorbei.
Was durchaus einmal vorkommt, da ich gleich um’s Eck wohne.
Da gehe ich also am Fellas vorbei, und das Fellas ist ein wunderbares Lokal mit einer raffinierten wöchentlich wechselnden Karte und einem ansprechenden Preisleistungsverhältnis. Das schöne daran ist die entspannte Bar-Atmosphäre. Man muss sich in seiner Gedankenwelt nicht auf einen Restaurantbesuch inkl. Reservierungs- und Etikettebrimborium einstellen.
Gemessen an der konstant hohen Qualität des Essens, gemessen daran, dass man einfach nur in die Bar um’s Eck gehen muss, ist das Fellas in Berlin absolut unerreicht und ungefähr 80.000 Mal besser als der übliche Alpenländisch-gutbürgerliche-Sushi-Italiener-Mitte-Müll.
Jeder braucht ein Stammlokal
Einen Ort, den man, egal, was auch passiert, immer guten Gewissens aufsuchen kann. Egal, ob man frühstücken, zwischendurch ein Käffchen konsumieren, zu Abend essen oder einfach nur ein Bierchen trinken möchte.
Man kann also in jeder Stimmungslage ins Fellas gehen. Das Stammlokal als sicherer Hafen. Sollten einmal alle Stricke reißen, dort kann man sich immer aufhalten. Und es ist ja eine ganz schwierige Beziehung, die man mit Lieblingslokalen unterhält: Auch dadurch, dass man jedem immer davon vorschwärmt, also Werbeträger ist, steigt mit jedem Besuch die zarte Angst enttäuscht zu werden. Gottlob wurde die Befürchtung nie bestätigt. Entweder leide ich am Stockholm-Syndrom, solidarisiere mich also mit meinem Peiniger, oder das Fellas ist tatsächlich so großartig wie stets von mir behauptet.
Ist so großartig? Das Fellas ist ja gar nicht mehr.
Manchmal, wenn ich durch Berlin wanke, komme ich am Fellas vorbei.
Da sah ich dies und das Herz blieb mir stehen:
An diesem Tag ist die Sonne vom Himmel gefallen. Mein Lieblingslokal, mein Fels in der Brandung, mein Nirwana, mein emotional-kulinarischer Spätkauf ist nicht mehr.
Irgendwann, wenn die Apathie und der Schmerz vergangen sind, werde ich mich wieder auf die Suche machen nach einem Lieblingslokal. Doch was für Menschen gilt, trifft auch auf Lokale zu: Das Neue muss sich immer am Alten messen.
Es wird eine langwierige, aufreibende, schmerzhafte Suche. Sie wird ewig andauern und am Ende wird die Enttäuschung über das Verlorene überwiegen.
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FELLAS
Stargarder Straße 3
10437 Berlin
Online www.fellas-berlin.de


9 Nachrichten zu “FELLAS, mon amour.”
Das ist wirklich traurig. Dienstag dachte ich noch aus der Ferne: “komisch, dass die Dienstag Ruhetag haben”, aber da war ‘s wohl schon ganz geschlossen. Werde das Fellas auch vermissen. Das gute Wiener Schnitzel und so. Schade.
Sie sagen es, lieber Bosch, es ist tatsächlich traurig! Eben heute wieder stand mir der Sinn nach einem flotten, guten Essen um’s Eck. Und was gibt’s da? Nur noch die reinste Ödnis…
@Herr Fleischmann: Ging mir gestern ebenso. Mich hat es ins Malzcafé verschlagen. Ich kann den “Badischen Winzertopf” sehr empfehlen. Guten Appetit!
ist wohl noch nicht ganz spruchreif, aber angeblich solls in ein paar wochen unter neuer bewirtschaftung, aber mit altem conzept und personal weitergehen, ich hoffe sehr, dass das auch klappt
@bosch – danke für den tip, werden wir beizeiten ausprobieren!
@nemo – ein hoffnungsschimmer am firmament…lasst uns alle täglich 10 rosenkränze und 5 ave marias herunter reißen, damit’s was wird…
man kann hoffen und -wenn das unbedingt sein muss- auch beten, dass diesbezüglich noch nicht alle messen gelesen sind. aber dass so ein laden nicht lange leer stehen wird ist ohnehin klar?!
@eve – du hast sicherlich recht. allein, was kommt danach?
Weiß denn jemand, warum das Fellas zugemacht hat????
Gestern daran vorbeigegangen. Auf der Kreidetafel steht nun geschrieben:
“Es geht weiter! Wiedereröffnung 1. August ab 21 Uhr – Normalbetrieb ab 2. August 16 Uhr.”